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AUSSTELLUNG


Holz auf Holz auf Holz auf Holz

Seraphina Lenz

21. Mai 2022 — 25. Juni 2022
Eröffnung | Freitag 20. Mai 2022 | 18 Uhr
Finissage | 25. Juni 2022 | 15 Uhr bis 20 Uhr

Seit zwei Jahren arbeitet Seraphina Lenz mit einer Technik des Farbholzdrucks, die in Japan Mitte des 17. Jahrhunderts erfunden wurde. Mit dieser Vervielfältigungsmethode konnten Bilder für ein großes Publikum hergestellt werden, es entstand eine eigene Industrie mit zahlreichen Verlagen. Aus dieser Zeit stammt auch die weltberühmte Grafik „Die große Welle vor Kanagawa“ von Katsushika Hokusai.

Bei dem Druckverfahren wird feuchtes Papier auf einen geschnitzten Druckstock gelegt, die Farbe wird per Hand direkt in das Papier gerieben. Mehrere farbige Flächen können nacheinander gedruckt werden, es entstehen transparente Überlagerungen. Seraphina Lenz ist interessiert am explorativen Umgang mit dem alten Verfahren. Es geht um die genaue Abstimmung vieler Faktoren. Feuchtigkeit des Papiers, Raumtemperatur, Papierbeschaffenheit, Holzqualität und Pression beeinflussen das Druckbild. Die Arbeit ähnelt einer Gleichung mit mehreren Unbekannten, die es gilt auszubalancieren.

Das Prinzip von Balance und Schichtung hat die Künstlerin auf die plastische Arbeit übertragen. Durch Hinzufügen, Dekonstruieren und Zusammenfügen sind farbige, skulpturale Objekte aus Holz, Papier und Stoff entstanden, die mal reliefartig an der Wand, mal schwebend im Raum miteinander korrespondieren.
In der Installation Holz auf Holz auf Holz auf Holz werden serielle, gedruckte Tableaus mit Objekten zu einer landschaftlichen Konstruktion verknüpft. Das Gehen durch die Ausstellung fügt der räumlichen Anordnung eine zeitlichen Komponente hinzu.
Von der Fläche in den Raum in die Zeit ist das Prinzip der Installation, die für den Projektraum oqbo entstanden ist.


VORSCHAU / UPCOMING line

Foto Marie Rotkopf © Katja Klein

Vortrag/Lesung Fetzen | Für eine Philosophie der Entschleierung
Marie Rotkopf, Marcus Steinweg
Einführung Andreas Rötzer

Freitag 27. Mai 2022 | 19:30 Uhr

Eine Schriftstellerin und ein Philosoph tun sich zusammen, um sich zu fetzen? Der vorliegende Text jedenfalls ist ein Gewebe aus Sprachfetzen, die auf verschiedenen Ebenen miteinander kommunizieren.
Motive wie Macht, Gewalt, Sex, Liebe, Angst, Schmerz spiegeln sich in einem Satz des Psychoanalytikers Jacques Lacan: »Jede wahre Liebe mündet auf den Hass.« Es sind Geschichten von Paaren, die zusammen gehören wie Greta Thunberg und Pierre Casiraghi, Carolin Emcke und die CIA, Jacques Derrida und Marguerite Duras.
Schlussendlich machen sich Rotkopf und Steinweg an die Dekonstruktion der French Theory. Sie weigern sich, in dieser faszinierenden, so offenen wie entschiedenen Komposition sich verschränkender Aphorismen, Gedanken und Gedichte die unversöhnlichen und widersprüchlichen Anteile von Wirklichkeit auszuschließen.
So aktivieren sie den Entschleierungsprozess des poetischen wie philosophischen Denkens, um festzustellen, dass der Schleier oft nichts verbirgt, weshalb die Philosophie der Entschleierung feststellt: Die Masken haben ihre Brauchbarkeit verloren. Die Masken sind gefallen.


Marie Rotkopf, 1975 in Paris geboren, ist Autorin, Dichterin und Kulturkritikerin. Sie lebt seit mehreren Jahren in Deutschland, um darüber nachdenken zu können, was aus Europa geworden ist. Rotkopf beschäftigt sich mit der Konstruktion und Kommunikation von Macht. Sie interessiert sich für die Umschreibung der Geschichte und für die Poesie der Welt.
Marie Rotkopf

Marcus Steinweg, 1971 in Koblenz geboren, ist Philosoph, lebt in Berlin und ist Professor für Kunst und Theorie an der Kunstakademie Karlsruhe. Er arbeitet seit den Neunzigerjahren mit den Künstlern Thomas Hirschhorn und Rosemarie Trockel zusammen und stellt eigenständige philosophische Begriffsdiagramme her. Viele seiner Texte und Vorträge bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und Philosophie.
Marcus Steinweg


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oqbo | raum für bild wort und ton existiert seit 2008 und wird seitdem in nahezu unveränderter Besetzung von sechs Künstler*innen in der Berliner Brunnenstraße betrieben. In der ersten Ausstellung wurden Mappen mit originalen Papierarbeiten in Planschränken gezeigt. Besucher*innen konnten die Arbeiten direkt und ungerahmt anschauen. Diese Form der Ausstellung sollte sich zu einem kontinuierlichen Begleiter der Arbeit von oqbo entwickeln und erhielt den Titel paperfile. Es wurde Keimzelle und Heimathafen, von hier aus und hier hinein entwickeln sich seither Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Kooperationen. 13 Jahre später enthalten die mittlerweile drei Papierschränke Mappen mit Arbeiten von über 200 internationalen Künstler*innen.
Mit dem Buch Container Love lotet oqbo die kommunikativen Möglichkeiten des paperfile aus und fragt nach Formen des Sammelns, Bewahrens und Vermittelns von Kunst. Die Autor*innen waren eingeladen, das Themenfeld aus ihren spezifischen Perspektiven zu beschreiben.


Das Buch Container Love können Sie unter info@oqbo.de zum Preis von 16 € bestellen.
oqbo | raum für bild wort und ton, Berlin
Container Love - vom Sammeln, Bewahren und Vermitteln, erschienen im Textem Verlag Hamburg, Seitenzahl 84.
Format: 139 x 219 mm, Ausstattung Klappbroschüre, Preis 16 Euro
ISBN 978-3-86485-266-4, Auflage 600 Exemplare


AUTOR*INNEN
Detlef Diederichsen, Leiter des Bereichs Musik und Performing Arts am Haus der Kulturen der Welt in Berlin; Jenny Graser, Sammlungsleiterin und Kuratorin zuständig für die zeitgenössische Kunst am Kupferstichkabinett der Staatliche Museen zu Berlin; Seraphina Lenz, Künstlerin und Mitbetreiberin von oqbo | raum für bild wort und ton; Marcelo Rezende, Direktor des Archivs der Avantgarden in Dresden; Andreas Schalhorn, Kurator zuständig für die moderne Kunst am Kupferstichkabinett der Staatliche Museen zu Berlin; Eva Sturm, freiberufliche Kunstvermittlerin in Theorie und Praxis; Elisa Primavera-Lévy, Redakteurin der Literaturzeitschrift Sinn und Form; Manfred Wichmann, Sammlungsleiter bei der Stiftung Berliner Mauer.





Dr. Manfred Wichmann | Gedenkstätte Berliner Mauer
from Christian Bilger on Vimeo



Im Juni 2021 hatte oqbo die Gelegenheit den Sammlungskurator der Stiftung Berliner Mauer Dr. Manfred Wichmann in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde zu besuchen. Dr. Wichmann gab uns dort Einblicke in die umfangreiche Sammlung und stellte an Hand von auserwählten Exponaten ihre besondere Stellung innerhalb der Berliner Geschichte dar. Er rief uns in Erinnerung was für persönliche Schicksale sich hinter jedem Sammlungsstück verbergen.





Jenny Graser | Kupferstichkabeinett Berlin
from Christian Bilger on Vimeo



Dr. Jenny Graser führt durch das Kupferstichkabinett in Berlin. Sie erklärt wie das Ausleihen aus den Beständen der Sammlung funktioniert, welche Aufgaben die Betreuung der Sammlung erfordert, wie Sammlungskäufe getätigt werden, was ihre Aufgabe als Kuratorin für zeitgenössische Kunst am Haus ist und führt uns ins Allerheiligste der Sammlung wo hunderttausende Arbeiten auf Papier aufbewahrt werden.





Eva Sturm | paperfile / oqbo
from Christian Bilger on Vimeo



Eva Sturm besucht den paperfile bei oqbo. Sie erzählt wie sie sich persönlich und behutsam den Mappen von über 200 Künstler*innen, die in 3 Papierschränken aufbewahrt werden, nähert. Seit 2008 wächst diese Sammlung von Papierarbeiten kontinuierlich. paperfile wird ausgestellt und geht auf Reisen. Zeichnung und Malerei sind ebenso vertreten wie Fotografie und Collage.







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PDF | edition #8





oqbo wird gefördert durch die zweijährige Basisförderung Bildende Kunst 2022/2023

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